Citizen Science in der Bamberger Inselstadt

Das Klima in der Bamberger Innenstadt: Warum wir selbst messen

Die offiziellen Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) folgen strengen internationalen Standards. Um eine weltweite Vergleichbarkeit zu gewährleisten, werden diese Stationen bewusst außerhalb von dicht bebauten Wärmeinseln platziert – in Bamberg in einem Kaltluftbildungsgebiet in der Südflur. Das ist für die Klimaforschung essenziell, hat jedoch einen Haken: Die Messwerte spiegeln oft nicht die tatsächliche thermische Belastung wider, der wir in der Bamberger Innenstadt ausgesetzt sind.

Genau hier setzt das Klimamessnetz an. Während die offizielle Statistik die großräumige Wetterlage erfasst, bilden unsere Sensoren die Lebensrealität in der steinernen Stadt ab. In den engen Gassen und dicht bebauten Quartieren staut sich die Hitze des Tages, und die Fassaden geben diese Wärme nachts nur langsam wieder ab.

Lokale Hotspots im Fokus

Unsere Auswertungen machen den Effekt der städtische Wärmeinsel transparent. Der direkte Vergleich zeigt deutlich, dass die Belastung in der Innenstadt oft signifikant höher ausfällt als an den offiziellen Referenzpunkten. Besonders deutlich wird dies bei den Extremwerten, die unsere Gesundheit und Lebensqualität unmittelbar beeinflussen.

Die folgende Tabelle vergleicht die Anzahl der Belastungstage in der Bamberger Innenstadt mit den Werten der offiziellen Station des DWD:

 DWD StationBamberger Innenstadt
Sommertage (Maximum ≥ 25 °C)6380
Heiße Tage (Maximum ≥ 30 °C)1930
Sehr heiße Tage (Maximum ≥ 35 °C) 47
Tropennächte (Minimum ≥ 20 °C)010

2025 ist hier kein Ausreißer, wie die Daten für die Jahre 2022 bis 2025 zeigen.

 2025202420232022
Sommertage (≥ 25 °C)80908892
Heiße Tage (≥ 30 °C)30403541  
Sehr heiße Tage (≥ 35 °C)7256
Tropennächte (≥ 20 °C)10131413

 

 

Über das Klimamessnetz

Das Klimamessnetz besteht aus Mitgliedern der Bürgervereine Bamberg Mitte (BVM), Sand, Gaustadt, Stephansberg und des Altenburgvereins. Es wird tatkräftig unterstützt und wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Thomas Foken.

Die Daten der elf BVM-Messstationen Weidenufer, Steinertstraße, Fischerei, Frauenstraße, Maxplatz, Promenadestraße, Lange Straße (Sternla), Hainstraße, Ottostraße, Schützenstraße und Wetzelstraße lassen sich in Echtzeit auf der Netatmo-Weathermap ab­rufen: weathermap.netatmo.com

Die Teilnehmer am Klimamessnetz treffen sich alle zwei bis drei Monate zum Austausch. Wer, mit eigener aber auch ohne Messstation, am nächsten Treffen teilnehmen will ist gern willkommen. Bitte kurz per Mail anmelden und Sie bekommen Zeit und Ort mitgeteilt.