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Veranstaltungen

Hainladen und -café: Wie geht es nach der Befragung weiter

Wer den Andrang im Rewe in der Langen Straße, in der Norma am ZOB und im Edeka am Graf-Stauffenberg-Platz kennt, weiß, dass die Bamberger Inselstadt dringend einen weiteren Lebensmittelladen braucht. Sie haben es vielleicht im „Fränkischen Tag“ (FT) vom 23. Oktober gelesen: Der BVM engagiert sich für einen Laden und Café im Hain.

Gemeinsam mit der Universität Bamberg, Institut für Geografie, Lehrstuhl Geografie I, führten wir eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger des Hains zur Idee eines Hainladens und -cafés durch. Dazu wurden stichprobenartig Fragebögen an jeden dritten Haushalt im Haingebiet verteilt, außerdem Fragebögen in Irmis Blumenladen abgelegt. BVM-Mitglieder konnten auch Online abstimmen. Der Zeitraum der Befragung wurde wegen der großen Beteiligung verlängert und endete am 31. August. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Der Vorstand bekam manch Unverständnis zu hören, auch von politscher Seite, warum denn die Befragung im Viertel und in der Öffentlichkeit nicht breiter bekannt gemacht wurde. Genau das wollten wir nicht. Wir wollten keine emotionale oder politische Kampagne á la „Wir wollen einen Hainladen“, ebenso wenig eine mögliche Beeinflussung der Befragungsergebnisse. Wir wollten saubere Ergebnisse und nüchterne Daten, die uns die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen und BVM-Mitglieder aus dem Haingebiet zeigen und auf denen sich aufbauen lässt.

Trotzdem wollten wir die Öffentlichkeit, BVM-Mitglieder und Viertelbewohner über die Zwischenergebnisse der Befragung informieren. Deshalb luden Dr. Sebastian Scholl vom Lehrstuhl Geografie der Uni Bamberg und Martin Weiler, der die Befragung als Master-Arbeit praktisch umsetzte und die Ergebnisse nun weiter auswertet, zusammen mit dem Bürgerverein Mitte den FT zum Pressegespräch. Eigentümer Florian Müller war zum Termin ebenfalls eingeladen, sagte aber wie der erkrankte FT-Reporter Michael Wehner ab. Für letzteren erstellte FT-Mitarbeiter Christian Pack den Artikel, der nun in der Zeitung erschien.

Zu den Ergebnissen: Von rund 1500 Haushalten im Hain erhielten wir etwa 500 verwertbare Fragebögen, allein das ist laut Dr. Scholl schon ein hervorragendes Ergebnis. Für wichtig oder sehr wichtig halten 99 Prozent einen Laden im Hain, 98 Prozent eine Möglichkeit zur Nahversorgung, 73 Prozent einen Treffpunkt, 70 Prozent Barrierefreiheit, 66 Prozent Infos aus dem Quartier zu bekommen und 64 Prozent eine Poststelle.

67 Prozent der Befragten sagten, dass sie Schwierigkeiten hätten, an Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfes zu kommen.

97 Prozent wünschen sich regionale Produkte, 84 Prozent Bio-Produkte und 78 Prozent Fairtrade-Produkte.

Auf die Frage, wie oft sie einen Hainladen besuchen würden, antworteten 91 Prozent mit ein- bis zweimal pro Woche. 93 Prozent akzeptieren, dass Waren in einem Hainladen eventuell teurer sein könnten als im Supermarkt. 65 Prozent schätzten, dass sie zwischen 25 und 50 Euro pro Woche ausgeben würden, 32 Prozent nannten 75 Euro und mehr.

Ein Café oder einen Treffpunkt würden 93 Prozent ein- bis zweimal pro Woche besuchen, 88 Prozent würden sich darin Sitzgelegenheiten wünschen.

60 Prozent könnten sich vorstellen, Genossenschaftsanteile eines Hainladens zu erwerben. Eine aktive Mitarbeit können sich 77 Prozent nicht vorstellen.

Am meisten überrascht die Antwort zu Parkmöglichkeiten für Autos: 64 Prozent halten Parkplätze für unwichtig. Geradezu spektakulär, angesichts von Schlagzeilen mit neuen Parkplatzrekorden im Autofahrer-Einkaufsparadies Hallstadt/Hafen. 40 Prozent halten eine Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln für unwichtig oder wenig wichtig, 42 Prozent für wichtig oder sehr wichtig.

Was ich persönlich auf den ersten Blick für nicht so toll hielt: 77 Prozent können sich eine aktive Mitarbeit nicht vorstellen. Eine Frage des Blickwinkels, meint Dr. Scholl, der umgekehrt 23 Prozent, die sich vorstellen können, bei einem Hainladen mitzuarbeiten, für ein überragendes Ergebnis hält. Besonders im Vergleich zu anderen derartigen Umfragen. Scholl rechnete mir vor: Rund 500 Fragebögen kamen zurück, wenn 23 Prozent mitarbeiten würden, sind das 115 Personen. Aus Erfahrung würden sich weniger als 50 Prozent tatsächlich dann engagieren, macht immer noch rund 50 Personen, die einen Hainladen tatkräftig unterstützen würden. Und wenn es 25 Leute wären, wären auch das noch viel.

Eine Lösung könnte eine Mischung aus Laden (Poststelle, Blumen, o.a.), Automatenladen und Steh-Café mit Selbstbedienung sein. Für ein „echtes“ Café mit Sitzplätzen bräuchte es Toiletten und vor allem einen Fettabscheider fürs Abwasser, was erhebliche Investitionen bedeuten würde. Am Freitagnachmittag und Samstag könnte das Angebot je nach Platz durch frische Erzeugnisse von Gärtnern, Imkern oder Bauern sowie anderen regionalen Produkten und Waren ergänzt und erweitert werden.

Wir als Vorstand haben für das Projekt Hainladen bewusst noch keinen Arbeitskreis oder eine Projektgruppe oder ähnliches ins Leben gerufen. Zum einen, weil wir zuerst die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen und BVM-Mitglieder aus dem Haingebiet kennen wollten. Zum anderen, weil gerade so ein Projekt gefährdet ist durch wirtschaftliche Interessen, geschäftliche Einflussnahme und emotionalen Einflüsterungen, die dieses Projekt in von uns nicht erwünschte Richtungen drängen könnten. Die langfristigen Bedürfnisse der Menschen vor Ort im Hain haben Vorrang vor allem anderen. Wir wissen auch, dass ein erfolgreicher Quartiersladens mit Bürgerverein und Bürgerbeteiligung, Uni-Research und -Unterstützung sowie Viertel-Engagement das Gold in jeder Geschäftsstory eines Unternehmens wäre, das in einer Zusammenarbeit einen Gewinn sähe.

Mitte Dezember wird es eine Diskussionsrunde zum Thema Hain-Laden geben, mit Uni Bamberg, Bürgerverein Mitte, Eigentümer, Nahversorgungs-Expertinnen und -Experten sowie Viertelbewohnern. Für den BVM-Vorstand wird dies ein Schlüsselereignis für das weitere Fortführen des Projekts unter der Schirmherrschaft des BVM sein. Die großen Fragen sind: Wie groß ist das Engagement im Viertel tatsächlich und werden sich Kooperationspartner finden lassen. Geeignete Partner zu finden, dazu führte der Vorstand in den vergangenen Wochen verschiedene Gespräche mit sachkundigen Mitgliedern, Experten und Institutionen. Daneben werden wir weiter nach Möglichkeiten suchen, den Laden mit den lokalen Inhalten zu füllen, den sich das Viertel wünscht.

Nicht vergessen, wir sind Teil einer Masterarbeit. Martin Weiler wird die Ergebnisse aus seinen Recherchen, der Befragung und Diskussion in ein Konzept gießen für einen Hainladen und -café. Dieses Konzept können wir dann umsetzen – oder auch nicht.

Wer aktiv an einem BVM-Hainladen und -café mitarbeiten will oder mit seinem Wissen beitragen kann, schreibe uns bitte eine Mail an unseren Vorstand.