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Gestaltung der Innenstadt

Auf dieser Seite wollen wir Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Innenstadt aufzeigen. Der Text wurde von unserem zweiten Vorsitzenden Prof. Clemens Renker erstellt und wird ggf. ergänzt und aktualisiert.

Inselstadt Bamberg – wo wir gerne lange leben wollen

sicher und gesund, sinnlich und sozial

Klimawandel und Digitalisierung sind zwei der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gleichzeitig und überall auf der Welt. Angesichts der Endlichkeit der Ressourcen und Räume stellt sich dabei in Anlehnung an den Bamberger Soziologen Gerhard Schulze die Fragen: Folgen wir weiter dem „Gedanken der Steigerung“ oder besser dem „Gedanken des Wohlfühlens“ aller Menschen in unserer Inselstadt? Wollen wir weiter dem Steigerungsmotto „größer-weiter-mehr-schneller“ folgen? Das heißt für Bamberg größere Events, mehr Konsummeilen, noch schneller und mehr durchrasende Autos, ausschweifender Partylärm, noch mehr Hitze und Emissionen, noch mehr Beton, Pflaster, Teer. Sollen wirklich Bambergs Ressourcen noch schneller verbraucht werden? Oder folgen wir der Leitidee des Wohlfühlens in Bamberg? Angekommen fühlen sich Menschen in sicheren und sozialen Städten, in nachhaltigen und gesunden Städten. Wohlfühlen heißt, die bestehenden Ressourcen unseres Weltkulturerbes Inselstadt qualitativ besser nutzen. Darauf zielt in diesem Sinne das vom Bund mit 17,5 Mio. Euro unterstützte Modellprojekt „Smart City“. Es kann Bamberg effizienter (Energie, Mobilität, Immobilien), grüner, sozialer, inklusiver, ressourcenschonender, technologischer, teilhabender und fortschrittlicher gestalten.

Vision für die Inselstadt

„Lebenswerte Inselstadt mit hoher Aufenthaltsqualität für alle Menschen“

Diese Vision ist begründet und machbar. Dort leben und bewegen sich die Menschen sicher und frei. Sie nehmen die Inselstadt mit allen Sinnen attraktiv wahr. Sie leben mit Freude und Stolz ein soziales und gesundes Miteinander.

Strategien für die Inselstadt

Für zwei strategische Handlungsfelder mit den passenden Sofortmaßnahmen ist das Zeitfenster derzeit günstig weit offen, um rasch die Attraktivität und Werthaltigkeit der Inselstadt für Bewohner, Geschäfte, Restaurants, Büros und Besucher deutlich und nachhaltig zu steigern:

Umwelt- und menschenverträgliche Mobilitätslösungen

Innenstädte sind dann attraktiv, wenn sich Menschen gern begegnen können, wenn sie sich sicher und sanft bewegen können, angenehm lange verweilen können und geborgen wohnen, produktiv und kreativ arbeiten können.

 

Konkret heißt das:

Die Straßen und Räume der Innenstadt sind so zu gestalten, dass zuerst überall die Fußgänger Vorrang haben.

  • Dann achten die Radfahrer auf die Fußgänger.
  • Dabei sind ausreichend Radwege zur Verkehrssicherheit abzugrenzen.
  • Autos fahren nur dann in die Inselstadt, wenn sie Anwohner oder Anlieferer sind oder kleine Besorgungen erledigen wollen.

Die erste und schnell wirksame Sofortmaßnahme auf den Weg dorthin ist die quasi autofreie Lange Straße bis zur ebenso autofreien Kapuzinerstraße.

Menschen- und naturgerechtes Raumklima

Eine kühlere und frischere Inselstadt ist für Menschen besser bewohnbar und für Büros, Geschäfte und Besucher besser nutzbar.

 

Schon jetzt ist es in Bamberg zu heiß und zu stickig.

In vielen deutschen Innenstädten ist es um 6-10° wärmer als am Lande.

Demzufolge lauten die zwei Sofortmaßnahmen:

  • So viel Grün wie möglich in der Inselstadt:

    Bäume, Sträucher, Gräser und Blumen auf den Plätzen (wie Heumarkt, Maxplatz, Am Kranen, Promenade, Obstmarkt, Grüner Markt etc.), in den Straßen (wie Lange Straße, Kapuzinerstraße, Hauptwachstrasse, Markusstraße etc.) und Gassen der Inselstadt.

    Pflanzen vor den Häusern, Kletterpflanzen an manchen Hauswänden und auf Dächern schaffen mehr Frische.

  • Klug gelegte Wasserverläufe (siehe zum Beispiel Bäche in der Innenstadt von Freiburg oder Forchheim) und Wasserspender wie Brunnen auf Plätzen und in den Straßen in der Inselstadt.


Ergebniss: Mehrwert für alle Menschen

 

Die Vorstellungen sind ein überparteilicher, sanfter Anstoß („nudge“) ohne Kosten. Sie sollen keine Anordnung, Bevormundung oder ideologische Vorgaben sein. Wie können wir heute viele Menschen in freier Entscheidung so motivieren und so belohnen, dass sie mitmachen und später wesentlich mehr gewinnen als verlieren? Aus den zahlreichen Publikationen seit 50 Jahren von Stadtexperten wie z. B. Jan Gehl, Jane Jacobs, Christopher Alexander und William H. Whyte sowie aus den Erfahrungen vieler Städte wird die Inselstadt vielfältigen Mehrwert für alle Menschen generieren:

  • Junge Familien ziehen wieder in die Stadt. Sie leben mit Senioren und allen Formen von Lebensgemeinschaften zusammen. Die Innenstadt wird „rurban“, d.h. ländliche Lebensweise in der Urbanität.

  • Die Pandemie beschleunigt die Transformation in der Arbeitswelt und bei Wohnansprüchen. Viele Immobilien werden den neuen Bedürfnissen gemäß umgewidmet: multifunktional und intelligent. Die Menschen bewohnen zugleich die Inselstadt als ihr Haus oder Wohnung als gefühlte Heimat (= „First Place“), als nahe und effiziente Arbeitsplätze in der neuen Welt von New Work, Home-Office und Remote (= „Second Place“) und als Gast in Restaurants und Hotels (= „Third Place“).

  • Die Inselstadt wird hoch attraktiv für innovative und total kundenorientierte Einzelhändler, die einen echten Mehrwert für Kunden und Stadt leisten.

  • Die Inselstadt wird hoch attraktiv für die Gründung von Startups und Spin-offs aus der Universität. Es entstehen neue Unternehmerkulturen, die Arbeitsplätze, Kundenfrequenz und Steuerzahlungen für die Stadt generieren.

  • Hotels, Cafes und Restaurants können sich gut profilieren und zum Verweilen einladen. Menschen gehen gerne dorthin, wo andere Menschen schon sind. Die Sicherheit, Geborgenheit und die vielen sinnlichen Anregungen machen die Innenstadt attraktiv für Anwohner, Besucher und das Zusammenleben und Zusammenarbeiten mit Menschen offen für die ganze Welt.