Brief an den Stadtrat zur Förderung von Stadtmarketing

Bereits vor dem Skandal um Citymanager Stieringer hatten wir eine Stellungnahme zur Förderung von Stadtmarketing durch die Stadt Bamberg abgegeben und an die Stadtratsmitglieder, Bürgermeister und die zuständigen Referenten verschickt.

An alle Mitglieder des Bamberger Stadtrats

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

am 1.12.2021 sollen im Finanzsenat der Stadt Bamberg die Zielvereinbarungen mit dem Stadtmarketing besprochen werden. Die Aktivitäten von Stadtmarketing berühren die Interessen unseres Inselgebiets unmittelbar. Als Träger öffentlicher Belange möchten wir deshalb zur Sitzungsvorlage Stellung nehmen.

 

- Die Bamberger Innenstadt steht vor großen Herausforderungen, die über wirtschaftliche Fragen weit hinaus gehen. Diese können nur im Gesamtzusammenhang gesehen und gelöst werden. Es muss sichergestellt werden, dass durch die Aktivitäten des Vereins die Entwicklung der Innenstadt als Ganzes nicht behindert werden darf.

 

- Verkehrspolitik, Klimaanpassung, Smart City: Von all diesen Themenkreisen ist in der Sitzungsvorlage kaum etwas zu lesen. Es ist auch nicht unbedingt Aufgabe von StaMa, zu diesen Themen Stellung zu beziehen. Es ist aber Aufgabe des Stadtrats, hieraus konkrete Vorgaben und Begrenzungen abzuleiten.

 

- Beispiel Maxplatz. Die Vorgabe, dass der Platz in jedem Fall für Großevents komplett freiräumbar sein muss, verhindert seit sehr vielen Jahren eine sinnvolle Nutzung und Entwicklung im Alltag und lässt ihn teilweise zum Schandfleck verkümmern. Die in der Sitzungsvorlage aufgestellte Behauptung, dass der Handel von den Events profitiert, ist falsch. Eine Untersuchung der Uni Bamberg hat ergeben, dass die Events in der Summe, wenn überhaupt, auf die Umsätze einen negativen Einfluss haben. Eine Kurzfassung der Untersuchung kann hier heruntergeladen werden. Daraus müssen endlich Konsequenzen gezogen werden: Die Veranstaltungen müssen der Stadtentwicklung dienen und nicht umgekehrt.

 

- Die Beschreibung der Aktivitäten von StaMa wirkt ausgesprochen altbacken, ideen- und mutlos. Wo sind wegweisende Ideen, die sich den Realitäten stellen und daraus neue Konzepte entstehen lassen, die Bamberg zukunftsfest machen?

 

- Bei der Durchsicht der Mitgliederschaft (Quelle: Website von StaMa) fällt auf, dass eine erhebliche Zahl von Mitgliedern, vom Handyshop bis zum Immoblilienmakler, von Ebelsbach bis Gößweinstein, nicht aus Bamberg kommt oder vom Tätigkeitsbereich her nur am Rand Bamberger Wirtschafts- oder sonstige interessen berührt. Warum sind viele wichtige innerstädtische Unternehmen nicht oder nicht mehr dabei?

 

Wir möchten deshalb anregen, die Zuschussgewährung der Stadt mit konkreten, überprüfbaren Vorgaben, die in ein übergeordnetes und zeitgemäßes Stadtentwicklungskonzept passen, zu verbinden.

 

Im Namen des Vereinsvorstands

 

Reiner Dietz

Vorsitzender